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Linz/Kleinmünchen
2003
Das Salzburger Museum Carolino Augusteum zeigt
bis 23. Jänner 2005 im Haupthaus am Museumsplatz die
Fotoausstellung "Hanns Otte - Peripherie". Nach den
"Unbekannten Europäern" von Kurt Kaindl ist dies die zweite
Präsentation in der Reihe der Fotoausstellungen des SMCA, die
Salzburger Fotografen mit ihren Arbeiten vorstellt.
Hanns Otte, 1955 in Salzburg geboren, zählt
heute zu den international bekannten Fotografen. Einer seiner
fotografischen Schwerpunkte liegt auf der Dokumentation der
städtischen Peripherie. Seit 1979 beschäftigt er sich mit
dieser Arbeit, zunächst in Schwarzweiß, seit 2001 in Farbe. So
ist auch die Ausstellung im SMCA mit 22 Schwarzweißfotografien
aus dem Fotoarchiv des SMCA (1979 bis 1984) und 39 neuen
Farbfotografien (2002 bis 2004) der Peripherie der Städte
Salzburg und Linz gewidmet. Die Fotografien in Linz entstanden
von April 2003 bis Juli 2004 auf Einladung der
Oberösterreichischen Landesgalerie. Mehr als die Hälfte dieser
Arbeiten stellt Otte zum ersten Mal der Öffentlichkeit
vor.
Milena Greif schreibt über Ottes Fotografien:
"Die Orte liegen immer abseits dessen, was ein schaulustiges
Publikum aufsuchen würde. Das triste Aufeinanderstoßen von
Hinterhöfen, die öden Ansichten eines Hafens, die schroffen
Felsen des Hochgebirges bei bedecktem Himmel - wahrlich keine
Motive für die Postkartenproduktion. Den Salzburger Fotografen
Hanns Otte treibt es dennoch in diese Räume und Landschaften,
um sie entlang ihrer Nahtstellen zwischen menschgemachter
Intervention und Rückeroberung durch die Natur abzuschreiten.
Hanns Otte sucht keine Orte auf, die schon tausendfach
abgelichtet wurden - seien es die Vorstädte Salzburgs, die ihn
seit 1979 beschäftigten, die Serie "Zwischenräume" seit 1984,
die Hinterhöfe in verschiedensten Städten zeigt, oder
"Muttergestein", eine Serie für die er seit 1993 in unwegsamem
Berggelände unterwegs ist. Seine Aufmerksamkeit gilt der
Peripherie. Diese kann sowohl in Vororten als auch im Zentrum
hinter Fassaden geortet werden. Im Gebirge, an Stellen wo
menschliche Eingriffe die Natur ver- oder entstellt haben,
oder im Industrie-Hafen tritt ein ähnliches räumliches
Phänomen zutage ... [Es handelt sich] Jedoch um eine
romantische Dokumentation auf den Spuren der Natur in der
industriellen Umwelt; das gilt ebenso für den unbeherrschbaren
Gletscher, der noch immer für einen pittoresken Schauder
taugt, wie für die kleine Wildnis, die sich im Hafen neben
einem Bunker Fläche erobert hat. So folgt der Künstler
gleichermaßen einer Sicht, die einerseits Gewesenem nachspürt
und andererseits eine Zukunftsperspektive eröffnet, da Details
darauf hindeuten, das sich an diesen Orten etwas entwickeln
könnte. Es sind Keimzellen für Möglichkeiten in nicht gänzlich
definierten Räumen." (Milena Greif: Der Gletscher, der Hafen
und die Peripherie - über die Fotografien von Hanns Otte. In:
Eikon, Nr. 43/44, 2003).
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 60
neuen Fabfotografien von Otte, sowie ein limitiert aufgelegtes
färbiges Foto-Editionsblatt mit einem Motiv aus Salzburg. Am
16. und 17. November, jeweils 09.30 Uhr finden
Museumsgespräche zu diesem Thema statt. Donnerstag 20. Jänner
2005, 18.30 Uhr wird ein Künstlergespräch mit Hanns Otte und
Dr. Ulrich Pohlmann, Stadtmuseum München, im Haupthaus
veranstaltet.
Dr. Erhard
Koppensteiner
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