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| Perchtentanz im salzburgischen
Pinzgau |
Sich das Gesicht mit einer Maske (von franz.,
ital., arab. maschera =
„Possenreißerei“) zu verhüllen, ist eine Kulturhandlung, die es von
der Ur- und Früh-geschichte an bis zum heutigen Tag überall auf der
Welt gab und gibt. Ihr Ursprung ist rituell-kultischer Natur. In
einer Umwelt, die als von Geistern und Dämonen belebt gedacht war,
wollte der Mensch eben diese Wesen nachahmen, erschrecken oder
besänftigen, womöglich gar täuschen; in jedem Falle versicherte er
sich so der Teilnahme an einer Welt, die aus mehr denn nur den
sichtbaren Dingen bestand. So ernst dies war, so sehr ist darin eine
spielerische Note als eine anthropologische Grundkonstante
enthalten. Denn der hinter der Maske verborgene Mensch konnte und
musste stets mitgedacht werden, immer war er präsent, wenn die
Verwendung der Maske auch spirituellen Handlungen verbehalten war,
die sich etwa in rituellen Tänzen vollzogen. Doch ist die Idee, sich
mittels einer Maske als ein anderes Wesen, als ein anderer Mensch
auszugeben von einer derart eminenten kulturhistorischen Bedeutung,
dass wir darin eine Urverhaltensform des „homo ludens“ erblicken
dürfen, wie wir sie heute im kindlichen Spiel noch beobachten
können. Und natürlich nimmt von hier der Gedanke des
Theater-„Spielens“ seinen Ausgang.
Bis heute, da
wir nicht mehr (oder mindestens weit weniger) an Geister und Dämonen
glauben, „funktioniert“ dieser erstaunliche Effekt, den Masken
bewirken. Jeder kann ihn erleben, der einem Perchten-Lauf zusieht:
Die Masken haben etwas so Unabweisliches, Unwiderstehliches, dass
wir bei der direkten Begegnung in eine emotionale Verwirrung
geraten, die zwischen Heiterkeit und Schaudern, wenn nicht gar
offener Angst pendelt; und dies trotz des Wissens, dass hinter den
Masken ganz gewiss hochanständige Menschen stecken. Die Maske ist
ein Gegenstand, der uns, über alle zivilisatorischen und kulturellen
Entwicklungen hinweg, klar macht, dass wir eng verwandt sind mit
unseren Gattungsgenossen der Urgeschichte ...
Dr. Erich
Marx
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Das
Habergaißreiten im Pongau |
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| "Klaubaufgian" in Matrei
in Osttirol, 1983 |
Zum 100-jährigen Bestehen der
Volkskundlichen Sammlung am Salzburger Museum Carolino Augusteum
(1904/2004) widmet sich die heurige Sonderausstellung einem Thema,
das von Anfang an eine gewisse Priorität in der Sammeltätigkeit am
Museum innehatte: dem Thema der Maske. Larven aus dem heimischen
Perchten- und Krampustreiben, mit deren systematischer Erfassung
bereits unmittelbar nach der Gründung des Museums im Jahre 1834
begonnen wurde, werden erstmals in einer bisher noch nie da
gewesenen Gesamtschau gezeigt. 1995 sowie 2003 konnten zudem zwei
wertvolle Maskensammlungen aus Privatbesitz erworben werden. Damit
sind die wichtigsten Brauchlandschaften Mitteleuropas - also
Österreich (Tirol und Salzburg), der süddeutsche Raum (Bayern mit
dem bayerisch-fränkischen Grenzgebiet) sowie die Schweiz - als
qualitätsvoller Querschnitt einer alpenländischen Maskenvielfalt zu
sehen.
Der Macht der Maske im heimischen
Brauchleben wird die Rolle der Maske auf der Bühne und im Schauspiel
in einem interessanten Exkurs gegenübergestellt. Gleichsam am
"Laufsteg" werden zu bewundern sein: aus Japan ein Kostüm samt Maske
aus dem berühmten No-Theater; von den Salzburger Festspielen Masken
aus "Jedermann" (1990) und Verdis "Un ballo in maschera" (1989,
letzte Inszenierung von Herbert von Karajan vor seinem Tode) und als
reizvoller Gegensatz dazu die Kostüme und Masken der "modernen"
Inszenierung von Verdis Maskenball von den Bregenzer Festspielen.
Gleichsam als wirkungsvolles Bindeglied zwischen den Ebenen "Maske
im Volksleben" und "Maske auf der Bühne" treten die Figurinen aus
dem Karneval in Venedig auf.
In dem anlässlich der Ausstellung
erschienenen Bestandskatalog sind alle Masken der Volkskundlichen
Sammlung am SMCA abgebildet.
Dr. Ernestine Hutter