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Geburt
(Maria mit Kind und Josef), Terracotta-Relief, montiert
auf Holzplatte, Mauro Bartolotti, Ravenna,
1995 |
Italien als
Ursprungsland der Krippe weist auch Landschaften auf, in denen
die Krippe – so hohen Stellenwert sie im kirchlichen Bereich
einnimmt – als „biedere“ Hauskrippe fast keine Tradition hat.
Oberitalien stellt eine solche Region dar. Die in der
Ausstellung präsentierten Werke zeigen, dass die
Eigenständigkeit im Krippenschaffen Oberitaliens bis heute
sehr groß ist. Abwechslungsreich ist deshalb die Auswahl an
Krippen, die nun aus den Händen zeitgenössischer Bildhauer
entstehen. Ob es sich um Werke von Andrea Jori (Mantua),
Raffaele Boselli und Cesare Rota Nodari (beide Bergamo), Ivan
Dimitrov (Bologna), Antonio Sgroi (Modena) oder die beiden in
der Provinz Ravenna tätigen Enzo Babini und Mauro Bartolotti
handelt, stets sind es Schöpfungen von eigenwilliger und
tiefgründiger Prägung sowohl in der stilistischen als auch in
der inhaltlichen Umsetzung des Krippenthemas.
Weihnachtsstimmung im traditionellen erzählerischen
Sinn vermittelt eine Serie von Krippen, die von ihrer
perspektivischen und beleuchtungstechnischen Perfektion her
eine völlig neue Art des „Kripperlschauens“ gewährleisten: die
faszinierende Form der Dioramen-Krippen. Ihre Dramaturgie
beruht auf Lichteffekten und Schattenwirkungen – mittels
Felsdurchbruch, Höhle oder enger Gasse geschaffene Durchblicke
vom dunklen Inneren in das helle Außen –, seriellen
Architekturen (Säulenreihe, Hausfronten, Fensterzeilen),
Vermittlung von landschaftlicher Weiträumigkeit durch
Überspringen von Zusammenhängen mittels Fluss, Kluft oder
Abgrund als Trennung des breiten Vordergrundes von seinem
bergigen Hintergrund, durch effektvolle Positionierung einer
Volksszene mit Schwerpunktausrichtung auf das Zentrum des
Geburtsstalles hin. Jedes dieser dramaturgischen Stilmittel
schafft perspektivische Steigerung und macht die
Dioramen-Krippen zu idealen „Ausstellungskrippen“. Der Meister
dieser Guckkasten-Krippen in Gipstechnik ist Claudio Mattei
aus der Provinz Bergamo. Er hat diese Art des Krippenbauens
von den Katalanen in Spanien übernommen und arbeitet seit den
1970er Jahren an deren Umsetzung in das „Bergamaskische“.
Gemeinsam mit Guido Raccagni geben die beiden ihr Wissen in
Krippenbaukursen weiter, sodass die Dioramen-Krippe inzwischen
weit über die Grenzen der Lombardei hinaus ihre Liebhaber
gefunden hat.
Verwurzelt in der alten Tiroler
Krippentradition ist hingegen das Krippenschaffen in Südtirol.
Zu sehen sind die Werke berühmter historischer und
zeitgenössischer Bildhauer und Krippenbauer aus dem
Vintschgau, Ahrn- und Pustertal sowie aus dem Grödnertal. Zu
den klassischen Krippenlandschaften Südtirols zählt vor allem
das Grödnertal, dessen Holzschnitzerei auf eine gut 300 Jahre
währende Tradition zurückreicht.
Nahezu alle Bildhauer
und Künstler aus Südtirol, die in der heurigen
Weihnachtsausstellung des SMCA mit ihren Werken vertreten
sind, haben die Kunstschule in St. Ulrich absolviert. Auch
sind die meisten Nachkommen berühmter Künstler- und
Bildhauerfamilien des Grödnertales und haben ihre erste
Ausbildung meist in der väterlichen Werkstatt genossen. Sie
alle haben ihre eigene Formensprache entwickelt und gehen
ihren Weg abseits des Grödner Kunstbetriebes. Gerade
hinsichtlich dieser qualitätsvollen Auswahl an Krippenwerken –
etwa von Eduard Moroder, Heinrich Moroder Doss, Luis Piazza,
Erich Pircher, Gilo Prugger, Hermann Josef Runggaldier oder
Harald Schmalzl – wird allein die Vielfalt im kreativen Umgang
mit dem Werkstoff Holz im Zusammenhang mit dem Thema „Krippe“
schon zur interessanten Begegnung in der Ausstellung. Ebenso
eindrucksvoll präsentiert sich die Formenvielfalt, die aus
dieser Region zu sehen ist und die von der Blockkrippe bis zur
großen offenen Landschaftskrippe führt, von der Wurzelkrippe
bis zur kleinen Kastenkrippe, von der Bildhauerkrippe bis zum
Werk eines engagierten Krippenbauers – ob es sich dabei um den
berühmten Mondscheinwirt aus Sexten, Anton Stabinger, handelt
oder um Schwester Regina Kugler vom Herz Jesu Institut in
Mühlbach im Pustertal mit ihren gemalten Hintergründen für
offene Landschaftskrippen.
Dr. Ernestine
Hutter |
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 Steinrelief "Anbetung der Könige",
schwarzer Kalkstein (Bellerophon), Luis Piazza, St.
Ulrich/Gröden, 1960
 Blockkrippe
mit Säule und Engeln, Ivan Dimitrov, 1993
Krippe, Keramik, elfenbeinweiß,
Feingold-Verzeirungen, Enzo Babini, Cotignola (Ravenna),
2004
 Große Blockkrippe "Anbetung der Hirten", Nussbaumholz
geschnitzt, gewachst, Virgil Prugger, St. Ulrich/Gröden, 1999
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