|
Die Ausstellung zeigt Baukästen aus
verschiedenen Jahrhunderten, beginnend mit Fröbels
Holzbaukasten der Biedermeierzeit über Anker-Steinbaukästen,
Konstruktionsbaukästen aus Metall und Holz (Märklin und
Matador) bis hin zum ewig jungen Lego. Die Objekte stammen
größtenteils aus der umfangreichen Sammlung des
Spielzeugmuseums und dokumentieren die Geschichte der Bau- und
Konstruktionsbaukästen vom 19. bis in das 21. Jahrhundert.
Baukästen aus
schlichtem, unbehandeltem Holz standen bereits um 1840 am
Anfang einer Entwicklung, die über Stein- und Metallbaukästen
bis zu den heutigen Kunststoffbaukästen reichen sollte. Schon
zu Beginn ist eine Internationalität der Baukästen
festzustellen, deren Titel oft mehrsprachig gehalten sind und
damit deutliche Hinweise auf rege Exporttätigkeit geben. Ein
Zentrum zur Herstellung von Holzbaukästen war Blumenau bei
Olbernhau im Erzgebirge. Allein in diesem Ort entstanden ab
1850 so bedeutende Produktionsstätten wie die von S. F.
Fischer, Louis Engel, Carl Fritzsche und Ernestine Reuter, von
der sich ein origineller, 1932 produzierter Dreiecksbaukasten
im Besitz des Spielzeugmuseums befindet.
Der Wunsch, die
Instabilität aufgetürmter Bauklötze in den Griff zu bekommen,
führte 1901 zur Patentierung der Erfindung Johann Korbulys,
die unter dem Namen „Matador“ als Holzkonstruktionsbaukasten
Furore machen sollte. Das System aus durchbohrten Holzklötzen,
die durch Verbindungsstäbe zusammengehalten bzw. fixiert
werden, wird heute wieder im Waldviertel/NÖ erfolgreich
hergestellt.
Um Kindern
wirklichkeitsnahes Bauen zu ermöglichen, schien dem
Architekten Gustav Lilienthal (1849–1933), dem Bruder des
berühmten Flugpioniers Otto Lilienthal, Holz als Baumaterial
ungeeignet. Er erfand den keramischen Baustein aus Sand,
Kreide und Leinöl. Allerdings verkaufte er 1880 das Rezept zur
Herstellung dieser Bausteine, so dass die Geschichte des
Steinbaukastens nicht mit seinem Namen, sondern mit dem
Friedrich Adolf Richters verbunden ist. Der kaufmännisch
versierte F. A. Richter schaffte es binnen kürzester Zeit, mit
dem „Anker Steinbaukasten“ weltweit erfolgreich zu werden.
Zahlreiche Nachahmungen und Varianten folgten auf diese
Innovation. In Salzburg waren es die Gartenauer Betonwerke
(heute „Fa. Leube“), die den Steinbaukasten „Salzburger
Bausteine“ noch nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Markt
brachten.
Mit den
grandiosen Ingenieurbauleistungen im Brücken-, Hallen- und
Maschinenbau um die Jahrhundertwende entstand das Bedürfnis,
diese technische Wirklichkeit den Kindern auch im Spiel
zugänglich zu machen. Am erfolgreichsten setzte sich die 1901
patentierte Idee Frank Hornbys durch, genormte Lochstreifen
aus Metall mit Schrauben und Muttern als Verbindungselemente
zu kombinieren. Unter dem Namen „Meccano Ltd.“ (Liverpool)
trat diese Erfindung ihren Siegeszug rund um die Welt an.
Vorerst nur als Generalvertreter für „Meccano Ltd.“ in
Deutschland tätig, übernahm die Firma der Gebrüder Märklin
noch im Ersten Weltkrieg die Rechte an der konfiszierten
Niederlassung und erweiterte mit der Zeit die Produktpalette.
Zum Erfolg der Märklin Metallbaukästen trug die Möglichkeit
des Antriebs der Modelle durch Federwerk-, Dampf- und
Elektromotoren bei.
Mit dem
Werbespruch „Der Knaben schönstes Spiel, das ist und bleibt
Stabil“ warb die Firma Walther & Co. für ihre
Metallbaukästen, die als die ersten in Deutschland galten.
Erwähnenswert ist die Tatsache, dass diese Firma auch
Baukästen speziell für Mädchen schuf, die unter dem Titel
„Technik für Mädchen in Sport und Beruf“ 1933 erschienen.
In den 50er
Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich in allen
Lebensbereichen, und so auch bei der Herstellung von Spielzeug
und von Bauklötzen, ein neuer Werkstoff durch: Plastik. Die
u.a. von „Lego“ und „Fischer-Technik“ damals entwickelten
Kunststoffbaukästen zählen noch heute zu den bekanntesten,
sind nach wie vor unverwüstlich und vollzogen bis heute in
ihrer Entwicklung den Sprung ins Computerzeitalter.
In einer
Ausstellung, die die Geschichte der Baukästen zeigt und
vermittelt, darf natürlich auch gebaut werden: Die Firma
Matador stellt einen Spieltisch samt Bauklötzen zur
Verfügung!
Ausstellung mit
freundlicher Unterstützung der Salzburg
Wohnbau.
|