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| Kurt Kaindl: Exterieur
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Ein Ausstellungsprojekt von Cornelia Meran, dem Österreichischen Museum für Volkskunde und dem Salzburger Museum Carolino Augusteum im Rahmen des Projektes "Alltagskultur seit 1945".
Die
Ausstellung besteht aus zwei Elementen: Originalobjekten aus
"dem Haus" und Arbeiten der geladenen KünstlerInnen Ricarda
Denzer, Vibeke Jensen, Kurt Kaindl, Helmut und Johanna Kandl,
Christian Mercier de Beaurouvre, Herman Seidl und Gerhard
Treml.
"Das Haus" ist
Grundlage und Ausgangspunkt für das Projekt: eine 1901 erbaute
Villa, deren BewohnerInnen rund 120 Jahre scheinbar nichts
weggeworfen haben. Das gesamte Haushaltsinventar,
Gebrauchsgüter und Erinnerungsstücke dreier Generationen sind
auf diese Weise fast lückenlos erhalten und zeugen von der
Kultur des bürgerlichen Alltags von 1870-1980.
Das Besondere
der Ansammlung ist nicht nur die große Anzahl der Objekte,
ihre Vielseitigkeit (von Waschmitteln über Straßenbahnkarten,
Bürsten oder Weihnachtsschmuck bis hin zu Reiseandenken,
Nähkästchen und Lorgnons - alles in Serie über die Zeit) und
Geschlossenheit, sondern auch ihre bisher ungestörte
Anordnung. Gesten des Sammelns und Aufbewahrens werden
sichtbar und können in der Ausstellung wie in einer
archäologischen Fundstätte nachvollzogen werden.
Nicht nur
Sammeln und Erinnern, auch die Erstellung von Ordnungssystemen
sind Themen, an denen die Beziehung der Menschen zu den Dingen
und der Dinge untereinander deutlich werden. "Was man noch
brauchen kann" steht neben "was mich an X erinnert" und wirft
die Frage auf, wie man es denn selber hält mit Aufbewahren und
Wegwerfen, Einordnen und Archivieren. Die Arbeiten der
KünstlerInnen, die in dem Haus und mit den Dingen entstanden
sind, geben auf ihre Weise Antwort, spielen mit der Grenze von
Dokumentation und Fiktion. Vergangenheit wird erfunden,
Identität konstruiert, z.B. wenn man eines von Gerhard Tremls
"Real Relics®" betrachtet. Es sind Versatzstücke käuflicher
Vergangenheit, die jeweils mit einer realen (?) Geschichte
verknüpft sind. Auch "Haus der Frauen", die Videoarbeit von
Johanna und Helmut Kandl, beschäftigt sich auf subtil
humorvolle Art mit der Frage der Konstruktion von
Geschichte.
Dokumentarischen Charakter haben die
Fotoserie des "Chronisten" Kurt Kaindl und die Fotografien des
"Mess_engers" Herman Seidl, der, indem er verschiedene der
Originalschachteln geöffnet hat, uns den Blick auf den jeweils
dahinter verborgenen Mikrokosmos freigibt.
Zur
Ausstellung "an/sammlung an/denken" erscheint ein
gleichnamiges Buch im Otto Müller Verlag Salzburg (Hg.
Cornelia Meran) mit Textbeiträgen von Hildegund Amanshauser,
Susanne Breuss, Gabriella Dixon, Gottfried Fliedl, Michael
Huey, Matthias Kayser, Sophie Ledebur, Cornelia Meran, Susanne
Neuburger, Bernhard Tschofen.
Cornelia Meran
Begleitprogramm
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